Robinson weiss nicht, wie viel die Schweizer von dieser Geschichte mitbekommen haben: Auf einem Qantas-Flug hatte Schauspieler Ralph Fiennes (Hauptrolle in Schindlers Liste) eine, sagen wir, «romantische Begegnung» mit einer Stewardess, oder wie man denen heute sagt. Die Luft-Serviertochter hatte danach, trotz aller Liebe, die sie für den Star empfindet, beschlossen, Details dieser «Begegnung» an eine Zeitung zu verkaufen. Zu Beginn konnte das Robinson noch nachvollziehen: Immerhin verlor die ärmste ihren Job bei Qantas, und so musste sie ja eine alternative Einkommensquelle finden (denn Ralph scheint ja auch nicht daran interessiert zu sein, ihr Versorger zu werden). Allerdings kam letzte Woche aus, dass die gute Frau noch einem Zweitjob nachging. Ratet mal wo. Richtig! Als Callgirl in einem Bordell in Sydney! Was das ganze mit der Schweiz zu tun hat? Nicht viel. Aber Ralph Fiennes ist heute Robinsons erste Meldung aus den australischen Medien, in denen die Schweiz erwähnt wird. Und wie letztes Mal macht Robinson auch heute wieder den Fehler, neuseeländische Medien als australische Medien zu bezeichnen (denn hier unten macht sich auch niemand die Mühe, Deutschland, die Schweiz und Österreich auseinander zu halten).
Vermeldet in Wellington: Sir Ralph Fiennes besteigt den Eiger in der Schweiz.
Robinson kann im Fall auf eventuelle Details, die der Eiger über diese Begegnung zu berichten hat, verzichten.
Berichtet im Fernsehen in Sydney: Das Swiss Grand Hotel in Bondi Beach wurde von Immobilien-Haien gekauft. Es bestehen ehrgeizige Pläne, Bondi Beach in eine australische Riviera zu verwandeln.
Ohne sich dessen sicher zu sein, behauptet Robinson einmal, das Swiss Grand versucht mit dem Zusatz «Swiss» ganz einfach nur positive Assoziationen zu wecken. Das tun hier unten übrigens viele. Es gibt Produkte, die in der Schweiz niemand kennt, aber in Australien ganz gross auf «Swissness» machen. Abgesehen von gefälschen Sackmessern (genannt «Authentic Swiss Military») gibt es den Küchenausrüster BaySwiss, die Kosmetiklinie Swisspers, oder auch Shampoos mit dem Wunderwirkstoff «Swiss Vanilla» (zum Glück hat noch niemand gemerkt, dass Kongolesischer Schneckenschleim noch viel wirksamer ist, und nur halb so viel kostet wie Schweizer Vanille).
Berichtet in Adelaide: Eine Schweizer Studie hat herausgefunden, dass Ärzte mehr Pillen schlucken als ihre Patienten. Die australische Ärztevereinigung sagt, in Australien sei es illegal für Ärzte, ihre eigenen Rezepte zu schreiben.
Ob das auch für Schweizer Ärzte illegal ist, weiss Robinson nicht. Aber er möchte Schweizer Patienten ermutigen, einmal ihre Ärzte zu fragen, was für Tabletten die so spicken.
Berichtet in Perth: Eine Reportage über eine Zink-Mine, an der die Schweizer Firma Xstrata beteiligt ist.
Bitte melden wenn das jemanden interessiert.
Interview in Sydney: Der Bürgermeister von Waverly (Bondi gehört zu Waverly) verbreitet das Gerücht, das Swiss Grand Hotel sei einmal Gegenstand einer Strafverfolgung gewesen.
Pssst! Das haben wir nicht gehört!
Kommentiert in Sydney: Alan Jones findet es eine grossartige Idee, das unordentliche, jugendliche Bondi in einen Stadtteil für die Superreichen (von denen er einer ist) zu verwandeln, angefangen mit dem Swiss Grand Hotel.
Solches mag Robinson nicht. Robinson findet soziale Durchmischung etwas Wichtiges. Alle sollen sich ein Stück Lebensqualität leisten können. Villenghettos sind genauso Vorboten von Problemen wie andere Ghettos auch.
Berichtet in Ipswich: Die Polizei hat mehrere Waffen und Munition beschlagnahmt, die ein Mann, der von Brisbane nach Malaysia fliegen wollte, auf sich trug. Der 57-Jährige ist schweizerisch-australischer Doppelbürger und ist in Untersuchungshaft.
Also ehrlich, wegen dem soll der Mann gleich ein Terrorist sein? Nun kommt schon, wer hat nicht schon einmal eine Handgranate mit auf ein Flugzeug genommen? Eben.
Angerufen in Cairns: Anrufer Eddie wurde von einem SMS-Service, den er nie bestellt hatte, übers Ohr gehauen. Er sagt, die Firma, die ihn verarscht hat, komme aus der Schweiz und heisse Jamster. Als er sich bei Jamster beschwert habe, hätten die sich entschuldigt und ihm $150 in Bar zugestellt.
Robinson weiss noch, dass er in der Schweiz gerne den SBB-Fahrplan per SMS abgerufen hat. Ansonsten steht er auch nicht so auf SMS-Services. Und er weiss nun auch warum.
Interview in Kempsey (NSW): Forscherin Maurie Garland berichtet, wie ein deutschsprachiges Buch über einen Schweizer Landstreicher, der vor 150 Jahren durch Australien zog, nun auch auf Englisch erschienen ist.
Ja damals machten die Schweizer noch als Vaganten von sich Reden…
Interview in Adelaide: Zuhörer Alan ruft an und empfiehlt dem südaustralischen Verkehrsminister Patrick Conlon, der gerade interviewt wird, sich mal an der Schweiz ein Beispiel zu nehmen, wenn es um schnelle, saubere und pünktliche Eisenbahnen geht. Conlon sagt, öffentlicher Verkehr sei in dicht besiedelten Gebieten einfacher zu betreiben als in Orten wie Adelaide. Bill Watson, der Chef von TransAdelaide, mischt sich ebenfalls in die Diskussion und fragt, ob der Minister nun in die Schweiz reisen dürfe, nachdem ein Anrufer dies vorgeschlagen hat. Conlon sagt er dürfe das nicht.
Hmmm. Robinson fragt sich, wer denn dem Minister verbietet, ein Reisli in die Schweiz zu machen… In Australien gibt es keine Milizpolitiker – und Profipolitiker verdienen einen rechten Batzen. Wenn Herr Conlon Skrupel hat, auf Kosten der Steuerzahler in die Schweiz zu fliegen, dann spricht das zwar für ihn. Doch dass er zu geizig ist, eine $3000-Reise zur Steigerung seiner Qualifikation aus dem eigenen Sack zu berappen, macht ihn etwas suspekt.
Robinson möchte seine Landsleute, zum Beispiel Moritz Leuenberger, ermuntern, den lieben Herrn Conlon doch einzuladen und das Schweizer Verkehrssystem zu erklären. Das wäre bestimmt gute PR. Und es stimmt: Nebst der Schoggi ist die Schweiz auch in Sachen öV ungeschlagen. Und das bleibt hoffentlich so.
Interview in Sydney: Alex Wodak, Drogen & Alkohol Services im St Vincent Spital, behauptet die «Krieg gegen die Drogen»-Politik sei gescheitert. Um seine Aussage zu untermauern, nennt Wodak Beispiele aus der Schweiz, aus Japan und aus den USA.
Nebst Sterbehilfe sind also auch Heroinabgabe und Cannabis-Duldung Beispiele für schweizerische Politik-Innovation. Wer hat noch gleich gesagt, die Schweiz hinke immer hinter dem Rest der Welt nach? Schaut Euch doch bitte zuerst die Fakten an!
Interview in Karratha (Westaustralien): Dr Peter Dingle, Toxikologe an der Murdoch Universität, sagt, eine schweizerische Studie habe festgestellt, dass übergewichtige Kinder womöglich früher in die Pubertät kommen als normalgewichtige.
Schweizer Wissenschaft scheint hier unten Eindruck zu schinden.
Interview in Sydney: Papparazzo Darren Lyons berichtet, wie Katie Middleton, die Freundin von Prinz William, in einem schweizerischen Resort für ein $1500 Mahl lediglich $10 Trinkgeld gegeben hat.
Das ist ja Raub! Trinkgeld ist eine Selbstverständlichkeit und hat nichts mit dem Service zu tun. Und wenn wir schon unsere Preise raufschrauben, um mit der regulären Rechnung auf satte Beträge zu kommen, dann möchten wir das bitte auch mit einem Süpplema belohnt haben. Also, also, dass die geizigen Royals das einfach nicht verstehen wollen… Die brauchen sich hier nicht mehr blicken zu lassen! (Robinson hofft, dass die Ironie hier verstanden wird. Er findet das Restaurant, das seine Gäste an die Medien verpfeift, nämlich um einiges schäbiger als das erwähnte Trinkgeld, für das das Resti eigentlich Merssi sagen sollte.)
Interview in Auckland: Roger Kerr von Asia Pacific Risk Management berichtet, wie die Rank Group sich die schweizerische Verpackungsfirma SIG unter den Nagel gerissen hat. Die Geschichte wurde auch in Wellington berichtet.
Robinson fragt sich in diesem Augenblick, ob es mehr ausländische Firmen gibt, die schweizerische Unternehmen aufkaufen oder umgekehrt, Schweizer Firmen, die ihre ausländische Konkurrenz übernehmen. Darauf weiss er noch keine Antwort.
Berichtet in Sydney und Adelaide: In der Schweiz hat ein Schönheitswettbewerb für Pensionierte stattgefunden.
Und davon wird es wohl bald mehr geben, wenn die Gesellschaft altert. Ist irgendwie schön und anderseits beängstigend. Wer will schon in einer Gesellschaft leben, wo die Jugend mangels Mitgliedern nur noch eine vernachlässigbare Rolle spielt? Gibt es noch Innovation, wenn keine Neuen mehr kommen, und nur noch die Bisherigen weiter wursteln?
Berichtet in Darwin: Ein betrunkener Schweizer in Thailand hat Bilder vom König mit Sprayfarbe übermalen. Er könnte für 15 Jahre ins Gefängnis wandern.
15 Jahre ist sicher ein bisschen viel für diese Sorte Verbrechen, denkt Robinson. Er vermutet ausserdem, dass thailändischer Knast schlimmer ist als schweizerischer Knast. Einen Beleg dafür ausser Intuition und Vorurteil hat er allerdings nicht.
Berichtet in Gympie und Maryborough (Queensland): Der Schweizer Roger Federer und der Australier Lleyton Hewitt sind aus den Indian Wells Master Series in Kalifornien ausgeschieden.
Ein anderer war diesmal federer als unser Roger.
Montag, 19 März 2007 at 5:21
[...] eine eigene Kategorie für Schweiz-Meldungen zu eröffnen. Der neuste Beitrag zu diesem Thema ist hier. [...]
Montag, 19 März 2007 at 6:35
Hey Robinson,
nur so nebenbei zum Jamster…
Die Vorstellungen einiger Angetroffener aus aller Welt, dass die Schweiz aus Schokoladenbergen und Geldflüssen und sowie Uhrseen und Schmelzkäsegletschern besteht, verwundern einen dann doch nicht mehr. Abzockerfirmen aus welchen Ländern schicken dir eigentlich sonst noch $ 150, wenn du sie anrufst, um ihnen zu sagen, dass du bald mit einem echten rostigen Holden Ute auf sie losgehst?! (Die haben doch gute Panzer und vor allem Traktoren, um sich vor den angriffigen Aussies zu retten!)
… dabei finde ich eigentlich, dass die Telefongesellschaften und SMS-Abzocker und Telemarketer und was es sonst noch alles gibt, hier um einiges nerviger sind, als im guten Schweizerländle. Aber ich bin wohl schon fast lange genug down under, um nicht mehr auf dem neuesten Stand am andern Ende der Welt zu sein. (geht ja so schnell in der Brangschä)…
Zu den alten Hasen in der Schönheitsbrangsche sage ich nicht allzuviel… vielleicht sind’s ja nur ein paar der übergewichtigen Kinder, die soviel Schoggi gegessen haben, dass sie jetzt schon in der übernächstsen Liga spielen! (aargh, Pipollina, halt jetzt endlich still und zügle deinen Humor, der war ja obergrausam!)
Und zum hiesigen öffentlichen Verkehr sage ich nur, dass er etwa genau so lächerlich und unernstnehmbar ist wie der hier:
http://www.pipollina.wordpress.com (18/3/07)