Für jemanden, der sich eigentlich nicht für Religion interessiert, beschäftigte sich Robinson letzthin doch etwas viel mit dem Thema. So hat er eine Website abgesurft, die er recht interessant fand: http://www.blasphemychallenge.com/. Die Besucher werden aufgefordert, ein Video auf YouTube zu laden, in dem sie sich zum Atheismus bekennen. Robinson zog erst in Erwägung, da mitzumachen. Er liess es dann aber sein, weil es (1) ja doch nichts bringt, er (2) nicht unnötig provozieren wollte, (3) zwanghafte Bekenneritis einer seiner Kritikpunkte an Religionen ist und (4) er sich nicht irgendwann irgendwo bewerben möchte, nur um festzustellen, dass der Personalverantwortliche zufälligerweise im Brüderverein ist und «Gesucht»-Porträts an den Wänden hat von allen, die sich auf YouTube das Ticket in die Hölle gebucht haben.

 

 

Wenn jetzt irgendwelche Freikirchler Robinson vorwerfen, er tue mit diesem Post ja genau das, was er mit YouTube nicht machen wollte (Zeit verschwenden, provozieren, bekennen und sich einem gewissen Risiko aussetzen), so antwortet er: «Kann ich doch nichts für, das war mein Autor, nicht ich!» Doch auch der Autor bekennt sich zwar schuldig, will hiermit aber auch beweisen, wie tolerant er doch gegenüber Religionen ist. So ist doch in Australien, oder genauer in Sydney, letzthin eine reichlich eigenartige Debatte entflammt, die Robinson für ungerechtfertigt anti-Islamisch hält. Robinson erzählt, liebe Kinderchen, also heute das Märchen von der geschächteten Schoggi.

 

 

Das geht so: Es war einmal, oder ist eigentlich immer noch, eine Firma, die heisst, sagen wir, Nestle. Nestle ist schon rein dadurch eine unwahrscheinlich tolle Firma, weil sie aus der Schweiz kommt. Und weil sie so wahnsinnig geschickt ist im Umgang mit öffentlicher Kritik: Sie geht vor Gericht, und wenn sie verliert schweigt sie ganz einfach. Ist ja auch verständlich, bei so banalen Vorwürfen wie Kindstötung.

 

 

Die liebe kleine Nestle spazierte also letzthin mit ihrem roten Schweizer-Käppi durch den dunklen Häuserwald, den die Waldmenschen Sydney nennen. Es hatte einen Korb voll selbstgemachte Kit-Kats dabei, den es seinem Grosi überreichen wollte, das gerade krank im Bett lag. Sein Grosi heisst übrigens Hamida. Hamida ist Muslimin, weil ihre Eltern sie so erzogen haben und weil sie sich gar nie gefragt hat, ob es eigentlich Sinn macht, einer Religion anzugehören. Item, Nestle hatte ihr Grosi trotzdem gern.

 

 

Nestle wusste, dass Ihre Grossmutter es nicht gerne hat, wenn man ihr einfach Schweinefleisch unterjubelt. Oder Produkte von Viechern, die nicht nach islamischem Ritus geschlachtet wurden, die also nicht halal sind. Um ihr Grosi von der halal-Reinheit ihrer Kit-Kats zu überzeugen, hat sie sich beim Büro 416 des Islamischen Rates von Victoria einen Stempel geholt, den sie auf jedes Kit-Kat drücken konnte. Der Stempel besagt: «Halal approved» («Halal-konform»). Nestle war ganz besonders stolz auf dieses tolle Produkt, das so rein ist, dass alle es essen können, Christen, Juden, Muslime, Buddhisten, Raelianer, Atheisten, ja sogar Fetischisten und Klima-Veränderungs-Leugner.

 

 

Nestle drückte nun also den «Halal-konform»-Stempel auf jedes ihrer Kit-Kats. Bis dahin waren Kit-Kats nur als Zahnkiller, Arterienverstopfer, und Fettmacher bekannt, doch nun verwandelte sich das Schoggi-Biscuit in ein stinkendes, schleimiges, in Burkas gehülltes, mit Bomben versehenes, mit lauten Muezzin-Gedröhne in Arabisch vor sich hin betendes Stück Schock-Olade. Oder jedenfalls sahen das die Shock-Jocks so, allen voran unser allerliebster Kreuzzüger, Alan Jones von 2GB. Wenn es dieser Anglo-Heimatschützer bisher nicht für nötig befunden hat, Nestle für irgend etwas zu kritisieren: Jetzt hat die Stunde geschlagen. Aufruf zum Boykott! «Kauft keine Kit-Kats», rief er seinen Zuhörern zu. Und die Cheerios, die Babynahrungsgläser und was Nestle sonst noch alles herstellt sollten die Leute auch noch gleich im Regal stehen lassen. Ein solcher Terror-Stempel muss natürlich bestraft werden!

 

 

Robinson, der die Szene im Sydney-Wald zufälligerweise mitbekommen hat, langte sich nur an den Kopf. Tststs… Schlimm genug, dass es Leute gibt, die aus religiösen Gründen auf Schoggi verzichten würden. Aber dass es dann auch noch Rassisten gibt, die es Angehörigen dieser Gruppen missgönnen, in den Genuss von Kit-Kats zu kommen, das stimmte Robinson nachdenklich. Er stellte folgende Theorie auf: Alan Jones ist Kit-Kat-süchtig. Der Shock-Jock kann nicht genug davon kriegen und hat deshalb einen gar nicht so dummen Plan ausgeheckt: Zuerst dafür sorgen, dass der Stempel verschwindet. Dann essen ihm keine Muslime die Kit-Kats weg. Gleichzeitig dafür sorgen, dass Jones’ Zuhörer auch keine Kit-Kats essen. Drittens, und darauf wartet Robinson nun, wird Jones nächstens wohl dafür lobbyieren, dass ein neuer Stempel auf die Kit-Kats kommt: Nur geeignet für ältere, ultra-konservative, anglikanische Schock-Jocks, mit schillernder Vergangenheit und guten Beziehungen zum australischen Premierminister. Das sollte sicherstellen, dass der ärmste nicht zu kurz kommt, weil ganz Australien auf Kit-Kats verzichtet.

 

 

Ganz Australien? Nein! Ein von unbeugsamen Schweizern betriebener Blog hört nicht auf, Widerstand zu leisten. «Boykottiert Nestle soviel ihr wollt!», ruft Robinson seinen gleichgesinnten zu, «aber kauft und esst Kit-Kats. Es hat genug für alle. Und Alan Jones hat sie nicht alle…für sich selbst verdient».