Ich weiss, es gibt tausendmal wichtigere Sachen, mit denen wir uns befassen sollten. Bush hat zugegeben, dass der CIA geheime Gefängnisse unterhält, die noch dunkler und unheimlicher sind als Guantanamo Bay, das bereits weit jenseits des juristisch und moralisch akzeptierbaren operiert. Blair könnte demnächst einen Fahrplan für seinen Rücktritt ankündigen. Und in der Schweiz stimmen wir über ein Gesetz ab, das es erlaubt, Minderjährige in den Knast zu stecken, um ihren Willen zu brechen. Das ist alles wichtig und erfordert unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, das heisst Widerstand. Aber es gibt etwas, das uns Aussies total aus der Bahn geworfen hat. Und das ist nicht die Tatsache, dass gerade vier Landsleute in Indonesien das Todesurteil erhalten haben für Drogenschmuggel, nachdem sie gegen das ursprüngliche Urteil – langjährige Gefängnisstrafen – Berufung eingelegt hatten. Es ist nicht David Hicks, der in Guantanamo Bay ohne Gerichtsverfahren verrottet, und es ist nicht das stürmisch-regnerische Wetter, das gerade die Ostküste heimsucht.

Es ist etwas viel weniger Wichtiges. Und doch so wichtig, dass die Nachricht in die gleiche Kategorie fällt wie die erste Mondlandung, der Fall des eisernen Vorhangs, der Terror-Anschlag vom elften September: Jeder weiss noch wo er war und was er tat, als die Nachricht ihn erreichte. Pipollina und Robinson zum Beispiel waren in einem Büro mit einem administrativen Anliegen. Die Person, die die beiden bediente, musste schnell etwas übers Telefon abklären. Am anderen Ende muss irgend jemand etwas gesagt haben, das zu Reaktionen wie „What?“, „You’re kidding!“, „Not him!“, „The Croc Hunter?!“. Und dann erfuhren es die Auswanderer. Der vermeintlich unkaputtbare Steve Irwin, alias Crocodile Hunter, ist tot.

Auch wenn es im „Bund“ anders stand: Steve war hier zu Lebzeiten nur mässig populär. Aussies fanden es peinlich klischiert, wenn da einer „Crikey“ (etwa, „Wow“ oder so) ruft und sich in seiner Khaki-Kleidung auf ein Krokodil stürzt, um zu sagen „Isn’t she a beauty?“ „Mit Leuten wie dem am Fernsehen wird der Rest der Welt nie lernen, dass wir nicht alle so Buschleute sind wie der,“ hat mal einer zu Robinson gesagt.

Doch das war damals. Jetzt ist alles anders. Und Robinson, ganz mit dem Strom schwimmend, fühlt es auch, was alle anderen hier fühlen. Ein leidenschaftlicher Australier, der beste Botschafter dieses Landes, ein liebenswürdiger, berühmter und doch ehrlich bescheidener Tierexperte, ein Umweltschützer mit unzähmbarer Leidenschaft, ein sympathischer Kämpfer gegen das Artensterben, ein liebender und geliebter Mann und Vater zweier Kinder, einer, der den Leuten vorzeigte, dass man das tun soll, was man liebt, statt nur davon zu träumen, so einer ist verloren gegangen. Er war ein guter Mann, und, Klischee hin oder her, irgendwie so, wie Aussies gerne wären. Die Gefühle für Irwin schlugen von Peinlichkeit zu Stolz um. Wie bei den Künstlern, deren Werke plötzlich an Wert zunehmen, wenn die Erschaffer sterben. Robinson muss eingestehen: Ihm kamen die Tränen, als er am Radio Colin Buchanans Abschiedslied hörte. Das Lied kann hier heruntergeladen werden. Robinson ist traurig.