April 2006


Robinson hat letzthin drei ihm unbekannte Arten von Feiern kennen gelernt. Zuerst das Personalfest: Der Anlass war, dass zwei Mitarbeiterinnen gekündigt haben. Alle, die wollten, trafen sich in einer Bar (das «Rose Hotel Pub», um genau zu sein), und tranken und redeten und assen (in dieser Reihenfolge). Zu essen gab es Pommes Frites und Pizza. Das ganze konnte also ohne wochenlange Organisation und Reservation über die Bühne gehen.

Dann →Anzac Day. Den hat Robinson nur über TV mitbekommen, weil er an diesem Tag arbeitete, zum Feiertagslohn, also Lohn mal 2.5. Ziemlich verrückt, mit welchem Bierernst die ganze Nation platte Trauergedichte herunterliest, und wie die Anzacs dazu missbraucht werden, den Irak-Krieg zu rechtfertigen. Die Opposition in Neusüdwales schlug zu diesem Anlass vor, in öffentlichen Schulen Kadettentraining einzuführen. Das wäre dann mit Waffen und polierten Schuhen. «Oh ja, das braucht's wirklich», denkt Robinson ironisch.

Und zu guter letzt, ein Anlass, den er nicht glaubte, noch zu erleben. Das lief ähnlich ab wie damals, als Robinson in den Erstsemestrigentag crashte: Er wollte eigentlich schwimmen gehen. Doch dann hörte er ein mysteriöses Glockenspiel aus Richtung Uni. So stieg er die Treppen hoch, um zu sehen, was diesmal los war. Er stellte fest, dass die Personen, die mit ihm die Treppe hochstiegen, mehrheitlich besser gekleidet waren als er. Als er das Hauptgebäude erblickte, das ähnlich wie eine Kirche oder ein Schloss aussieht, fiel ihm auf, dass auf dem Turm eine Flagge gehisst wurde, die er nicht erkannte. Oben auf der Treppe sah er dann, was los war: Es war Promotionsfeier. Wäre er unwissend in die Berner Promotionsfeier geplatzt, hätte er vielleicht nicht sofort geschnallt, was Sache ist, aber hier war es sonnenklar, denn die Studis trugen Talare und diese komischen Akademiker-Hütchen. Ausgerechnet einen Tag nach seiner eigenen Promotion, an der Feier derselben er nicht teilnehmen konnte, war er nun anwesend an der Feier der Promotion von wildfremden Ex-Studis. So kam er doch noch irgendwie zu seinem Recht.

So und jetzt noch zu einem Lexikon-Eintrag, der recht wichtig ist:

Heaps Haufenweise. Wird haufenweise benutzt, etwa auch im Sinne von «That was heaps fun!», oder «There were heaps of cars in the parking lot.»

Unten stehender Dixer ist erst ein Anfang. Mehr Ausdrücke werden sicherlich folgen.

ANZAC Australia and New Zealand Army Corps. Darüber macht man sich nicht lustig. Am 25. April marschieren ehemalige und aktuelle Soldaten und diejenigen, die sich für ehemalige oder aktuelle Soldaten halten oder ehemalige oder aktuelle Soldaten werden wollen, durch die Strassen und gedenken ihrer Gefallenen. Die ANZACs sind irgendwie mystisch verklärte Helden aus dem ersten Weltkrieg, die in Gallipoli (heutige Türkei) gekämpft haben. Die Schlacht haben sie gegen die Osmanen verloren, aber feiern tun sie trotzdem. →Digger

Aussie Rules Australian Rules Football, einer der drei →Footy Codes. Obwohl die oberste Liga einen →Salary Cap kennt, haben nicht viele Spieler zu anderen Codes geswitscht, weil die Spieler recht spezialisiert sind auf diesen Sport. Er ist athletischer ist als Rugby und gröber als Fussball.

Bathroom Alle Besucher dieses wunderbaren Landes werden sich früher oder später fragen, wieso die Leute hier immer während des Ausgangs oder des Restaurant-Besuchs ein Bad nehmen wollen. Die Antwort: Die wollen gar nicht, die sagen Badezimmer und meinen WC.

Bread Toastbrot. Gemessen an der Menge, die davon konsumiert wird, könnte man meinen, es schmecke gut. Tut es aber nicht.

Buddy →Mate

Chick Nicht unbedingt pejorativ, aber auch nicht zu jeder Gelegenheit angebracht. Ein Mädchen oder eine junge Frau.

Codes →Footy.

Cricket Irgendwie ein schräges Game, wird aber allpott am TV gezeigt.

Crikey Lieblingswort von Steve →Irwin. Bedeutet plusminus «krass».

Digger Soldat oder Veteran. Ich werden den Verdacht nicht los, dass viele sich Digger nennen, die eigentlich gar keine sind. Das Wort stammt vermutlich von den →ANZACs, deren Hauptbeschäftigung das Graben von Schützengräben war.

Dodgy Ein extrem häufig benutztes Wort. Bedeutet in etwa «zweifelhaft», «brüchig», «fragwürdig», «unseriös».

Dude Ich hielt den Ausdruck immer für texanisch, aber die Sydneysiders halten ihn jedoch für sydneyisch.

Erection Die Schwester meiner Gastmutter wurde im Northern Territory einmal verurteilt für «sitting on an erection». Damit ist gemeint, dass sie als Greenpeace-Aktivistin gegen Uran-Exporte protestierte und sich zuoberst auf einem Kran in Darwin festkettete, der irgendwie hätte fürs Verladen des Urans benutzt werden sollen. Welcher Polizist kann jemanden für dieses Vergehen verhaften und dabei ein ernstes Gesicht bewahren?

Footy Aussies meinen damit vier Codes: →Rugby League, →Rugby Union, →Aussie Rules und →Soccer. Diejenigen, die sich für besonders europäisch halten, nennen normalen Fussball auch Football, womit die Konfusion dann total wäre. Die lachen übrigens über die American Football-Memmen, die sich von Kopf bis Fuss einpolstern, damit auch ja nichts weh tut.

G'day Guten Tag.

Hungry Jack's Burger King, besser als →Mackie's, aber weit entfernt von «gut».

Irwin, Steve Alle lieben den Crocodile Hunter, aber die Aussies schämen sich ein bisschen für ihn, weil nun die Welt glaubt, sie seien alle so wie Steve.

John Meine männlichen Vorfahren mütterlicherseits hiessen über ca. sieben Generationen hinweg John mit Vornamen. Traditionelle Vornamen scheinen hier nicht so radikal auszusterben wie in der Schweiz, wo niemand sein Kind mehr Ruedi, Arthur, Ernst, Fritz oder Alois nennen würde.

Jumbuck Pommies und die Bewohner der Ignited Steaks of America würden das Tier «sheep» nennen.

Koala Einziges Aussie-Wort mit K, das mir gerade in den Sinn kommt. Ist zoologisch gesehen gar kein Bär.

Larrikin Ein Rüpel. So nennen sich die Leute oft selber, nicht ohne Stolz.

Mackie's McDonald's. Ekliges Essen das dick macht. Muss im Interesse der Gesundheit der Kinder wohl bald Happy Meals ohne Spielsachen servieren.

Mate Kolleg, Kumpel. Australische Büezer können nicht anders als jeden und jede mit diesem Ausdruck zu betiteln. Für nicht-Büezer wirkt es allerdings ein bisschen aufgesetzt, Höflichkeiten wie «mate» oder «buddy» auszuteilen.

Pain in the arse Ist heute gebräuchlicher als «Pain in the neck». Bedeutet «Ärgernis».

Penguins Die hat es wirklich im Hafen von Sydney, und zwar natürlicherweise, nicht wegen irgend einem exzentrischen pommy.

Qantas Eine Airline, die immer mehr von ihrem Ruf einbüsst, indem sie alles, was ins billige Ausland ausgelagert werden kann ins billige Ausland auslagert.

Queen Sogar der ultra-konservative Premierminister, ein bisher überzeugter Royalist, kann sich jetzt vorstellen, nach der aktuellen Königin keinen neuen Monarchen mehr anzustellen.

R Wird in der gesprochenen Sprache eingebaut, wenn ein Wort auf einen Vokal endet und das darauf folgende Wort mit einem Vokal beginnt. Beispiel: «Relations between Chine-r-and Amerike-r-are strained»; «Maria-r-is 26».

Rugby League Einer der Footy-Codes. Hat wegen seinem →Salary Cap ein paar gute Spieler an →Rugby Union verloren.

Rugby Union Kennt noch keinen →Salary Cap. Bei diesem Game würde ich nicht mitspielen. Will noch eine Weile leben.

Salary Cap Maximaler Lohn, den die Sportvereine ihren Spielern zahlen dürfen. Damit wollen die Ligen verhindern, dass reiche Clubs immer und immer wieder gewinnen.

Tunnel 1. Cross City Tunnel. Geht unter Sydney hindurch. Eine richtig gute Sache, hilft gegen Stau. Problem: Niemand benutzt ihn, weil die Durchfahrt $3.50 kostet. 2. M5 East Tunnel. Hat keine Lüftung und steht deshalb wegen seiner schlechten Luft in den Schlagzeilen.

Unionism Studis mussten bisher obligatorisch einer Studentengewerkschaft (etwas wie die SUB in Bern) beitreten, um zu studieren. Das hat die Regierung jetzt abgeschafft.

Up shit creek in a barbed-wire canoe without a paddle Heisst soviel wie «total aufgeschmissen».

Van Diemens Land Alte Bezeichnung für Tasmanien.

Wattle Eine bestimmte Sorte Strauch, die irgendwie Neusüdwales symbolisiert.

Über seinen aktuellen Arbeitgeber hat Robinson eine gemischte Meinung. Da gibt es ein paar Dinge, die er sehr schätzt und ein paar andere, die er ein bisschen armselig findet. Fangen wir mit den negativen Dingen an: Von der miesen Bezahlung hatte es Robinson ja schon; die ist zum Glück nicht so schlimm wie beim australischen Ableger von McDonalds, der Jugendliche für $2 die Stunde einstellt. Die technische Ausrüstung an Robinsons Arbeitsplatz entspricht nicht den Anforderungen an die Arbeit, die zu erledigen ist. Da geben die PCs gerne mal den Geist auf, wenn man gerade irgend ein Video-File am bearbeiten ist (es gibt im Englischen übrigens den Ausdruck «to give the ghost up»). Und dann hat sich die Firma gerade neue Bildschirme angeschafft – mit Röhre. Jeden Morgen gibt es einen Kleinkrieg darüber, wer am stabilsten PC hocken kann, und wer einen Kopfhörer kriegt, der keinen Wackelkontakt hat. Pausen im eigentlichen Sinne gibt es keine. Robinson darf eine halbe Stunde unbezahlt in den Mittag. Kontakte knüpft so niemand. Immerhin, denkt sich Robinson, immerhin tun sie nicht so doof wenn man ein paar Sekunden in die Küche huscht um sich einen Kaffee zu machen oder ein Brot zu streichen.

Und damit kommt Robinson zu den positiven Seiten seiner Anstellung: Theoretisch könnte man Tag für Tag überleben, ohne einen Cent auszugeben. Nein, Robinson bezieht sich nicht auf den Queensländer, der sich Northern Territory verirrte und zehn Wochen lang überlebte, indem er Frösche, Heuschrecken, Blutegel und Echsen ass. Den haben sie heute gefunden. Man könnte also auch ohne Heuschrecken und Frösche überleben, sagten wir, das heisst eben ohne Dings und so, also ohne Geld. Das heisst, wenn man für den gleichen Arbeitgeber arbeitet wie Robinson. Denn der (der Arbeitgeber, nicht Robinson) stellt gratis zur Verfügung: Wasser und Brot.

Und Vegemite. Und Kaffee, Tee, Ovo (heisst hier Milo und löst sich nicht so gut auf wie Ovo), Gaggo, Milch, Anken (mit reduziertem Salzgehalt), Gomfi, Honig, Erdnussbutter und Nutella. Das Brot ist natürlich nicht richtiges Brot, vielmehr haben die Arbeitnehmer die Wahl zwischen Weisstoast, Vollkorntoast und Kernentoast. Und heute, zu Ostern, gabs sogar Schoggieier und so komisches süsses Osterbrot. Ja die Schoggi kommt nicht an Schweizer Produkte heran, aber sie befriedigt die Sucht. So, nun zu Euch, liebe Ernährungsberater. Stellt bitte Eure Frage. Na los, nur keine Hemmungen! OK, dann fragt es Robinson halt selbst: Wo bleibt denn das Gemüse, wo sind die Früchte? Wusste er doch, dass diese Frage kommt! Für ihre Gesundheit sind die Arbeitnehmer selber verantwortlich. Robinson ist dazu übergegangen, entweder die gesunden Resten vom Vorabend mitzunehmen, oder eine Tomate, um die dann auf einem Vegemite-Toast auszubreiten.

Und nun wieder zur nicht ganz so gesalzenen Butter wie normal. Als Robinson sich gerade ein Vegemite-Toast strich, kam ihm eine mögliche Erklärung in den Sinn, wieso die Aussies Salz in der Butter wollen. Kann es sein, dass Butter mit Salz ein bisschen weniger heikel ist zum Aufbewahren? Denn im Geschäft machen die das so: Ein halbes Kilo Butter kommt in eine Stahlschale und bleibt dort bis sie aufgegessen ist. Die Stahlschale steht nicht im Kühlschrank sondern in einer (nicht gerade pingelig sauberen) Ecke, und das während Tagen. Somit ist die Butter schön streichbar, aber halt nicht soooo frisch. Das ist schon eklig genug, aber salzlose Butter wäre sicher Selbstmord. Das denkt sich jedenfalls Robinson.

Robinson feels terribly sorry for making his loyal readers wait so long. A possible explanation for his slackness in contributing to the blog may be that he is no longer an unemployed immigrant but a working everyday person. Anyhow, enough things have happened to fill another chapter now.

First, Robinson would like to clarify one point: He is not just a pseudonym to protect an existing person. He is a half-fictional person. This is why the name Robinson is being kept up, even though his inventor no longer has to conceal his identity, now that Ms Robinson has officially given her employer notice of her demission. She has by the way applied for a visa now, and they hope that will go well.

And now to the title of this blog entry: It is only a catch, Robinson won't be able to give satisfying solutions on the question how to avoid alcohol poisoning. He'd be happy to know though, so if one of the honourable readers knows a safe method of going out in Australia, please post a comment. Last Sunday Robinson recalled his father's warning: «Don't let them make you drink more than you can cope with.» How right the old man was! «Die Kraft des Saftes», or what they called it in the German-dubbed version of Spaceballs, was quite overwhelming. Robinson found it alright at the evening itself, but then the next day, he was up shit creek in a barbed-wire canoe with no paddle (sorry, but he loves this expression). At least, it does not seem to be some Swiss gene that made him surrender to a bellyache the day after the party. His cousin told him he was in quite bad shape himself, too.

Of course, it's cheap to say «it was them who made me drink»: Robinson strongly believes that everyone's responsible for his or her own liver. So what do you do, when the my-round-your-round-his-round-her-round thing has started?

a) drink it, and when it's your turn, buy another round. That's what Robinson did, and it didn't yield the desired results the next day.

b) drink it, wait until it's your turn, and then refuse to continue the vicious circle by not buying any more drinks. Probable side-effect: Robinson wouldn't be invited out any more.

c) take the drink and covertly give it to the plants. Possible side-effect: The plants will get a hiccup.

d) make sure that your drinks aren't alcoholic. Probable side-effect: «Haha, that bloke with this funny accent refuses to get drunk. How wrong is that!»

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