Inzwischen ist unser Emigrant in seiner neuen Heimat angekommen. Bei der Hitze, die dort in Sydney zur Zeit herrscht, begann Herr Robinson kurz zu zweifeln, ob es sich an seinem neuen Wohnort wirklich besser lebt als an seinem alten, oder ob er nicht besser in der winterlichen Schweiz geblieben wäre. Schnell verwarf er aber seine nutzlosen Zweifel indem er sich eine alte Weisheit in Erinnerung rief: Man vermisst immer das, was man gerade nicht hat; und wer immer gerade gerne das hätte, was er nicht hat, hält sich selber davon ab, das zu geniessen, was er hat und was er in einer anderen Situation gerne hätte, aber nicht geniessen könnte, weil er es dann gerade nicht hätte. Item, dachte Herr Robinson, er wisse was er meine, auch wenn er seinen eigenen Satz gerade nicht verstanden hatte.
Vorfahren der Robinsons hatten schon einmal in Australien gelebt; dadurch bekam unser Protagonist die Möglichkeit, sich selber zum australischen Staatsangehörigen zu machen. So fiel es ihm ein bisschen leichter, sich in ein Auswanderungs-Abenteuer zu stürzen. Erstens konnte ihn niemand davon abhalten, zweitens würden ihn ein paar Robinsons, die vor Ort sind, bei sich aufnehmen und drittens wusste er, dass er die Übung jederzeit abbrechen kann. Trotzdem, Herr Robinson vermisst Frau Robinson, die zu Hause tapfer in ihrem schwierigen Job durchhält und auf diesen einen Anruf wartet: «OK, ich habe jetzt eine existenzsichernde Arbeit, du kannst jetzt getrost Wohnung und Arbeit kündigen und zu mir kommen.»
Nun versucht sich Herr Robinson so gut wie möglich einzuleben an seinem neuen Lebensmittelpunkt. Sein Müesli ersetzt er nun durch weisses Toast mit Vegemite, manchmal auch durch Toast mit Erdnussbutter oder durch Toast mit gesalzener Butter und Orangen-Marmelade. Sein Morgenkaffee ist jetzt Schwarztee und sein Oragensaft ist Mandarinen-Mango-Saft. Daran gewöhnt er sich schnell. Die Gastfamilie Robinson, die ihn herzlich aufgenommen hat, scheint sehr gesundheitsbewusst zu sein, stellt Hans Robinson fest, als er den Text auf der Butter-Packung liest: «Salt reduced». Nur halb soviel Salz soll in dieser Butter sein, die im Bundesstaat Victoria «proudly produced» wurde. Halb wieviel? fragt sich nun aber unser Emigrant. Es könnte ja die Hälfte des natürlichen Salzgehalts gemeint sein, oder die Hälfte des hinzugefügten Salzes. Herr Robinson, der nie viel über Butterproduktion wusste, zweifelt langsam an seinem beschränkten Wissen über die Butterindustrie. Haben die Schweizer ihre Butter immer desaliniert, oder fügen nicht doch vielleicht die Australier ihrer Butter absichtlich Salz bei, manchmal etwas mehr und manchmal etwas weniger? Die Frage bleibt vorerst offen. Jedenfalls findet Robinson – unabhängig von allen gesundheitlichen Überlegungen – die Butter, die nur halb so salzig ist wie normal, ganz gut, gerade in Kombination mit bittersüsser Marmelade, aber auch mit Honig.
Auch die Bürokratie, mit der ein Einwanderer definitionsgemäss zu schaffen hat, bereitet Robinson nicht so viel Mühe wie befürchtet. Vom Alten Europa her kommend, ist er es sich gewohnt, Probleme mit der Bürokratie dadurch zu vermeiden, dass er das tut, was die Bürokraten verlangen, auch wenn die selber nicht so sicher sind, was sie verlangen. Auf einer offiziellen Checkliste teilten sie Herrn Robinson etwa mit, er solle sich eine Steuerdossier-Nummer zulegen, bevor er zu den anderen Punkten auf der Checkliste übergeht. Einer der nachfolgenden Punkte wäre dann die Eröffnung eines Bankkontos. Aber: Wer eine Steuerdossier-Nummer will, muss einen Bankkonto-Auszug vorweisen. Doch wer ein Bankkonto eröffnen will, sollte ja bereits eine Steuerdossier-Nummer haben. Doch bevor Herr Robinson in die gefährlichen Fahrwasser des paradoxen Grübelns über die Unendlichkeit der Unmöglichkeit abdriftet, ruft er sich in Erinnerung, dass er ja praktisch veranlagt ist. Er durchkreuzt das fiese Verwirrspiel der staatl. anerk. Heinis dadurch, dass er einfach ein Konto eröffnet und danach eine Steuerdossier-Nummer beantragt.
Donnerstag, 23 Februar 2006 at 12:06
Hola!
Nice to know that you arrived safely!
Freitag, 24 Februar 2006 at 12:48
Hey there!
Just relax,you will find your way.
Mark
Sonntag, 26 Februar 2006 at 3:31
Hello my friend, how are you? So das ischäs scho gsi vo üsäm Englisch-Vocabulair
)
Mir si grad ufmerksam Dini Migrantä-Gschicht am läsä gsi, drbi heimer üs einigi Schmunzel-Pousänä müässä gönnä. Dank Dirä Art zschribä us dim Alltag, hei mir üs gäbig i dinär Asichtä chönnä ifüählä. Mir hoffä doch du chiemsch witerhin zurächt mit Dirä Checklistä ( Ou we du drbi dr Staat muäsch umgah) *smile* übrigens bi üs hets hüt wiedär mau agfangä schneiä, wenigstens das Laschtär hesch zumindest nid..
Mir freue üs uf witäri Folgä vo Dinä Räubergschichtä.
Grüässli vom Simu und em Vöni